Pressemitteilung zur neuen FONA-Strategie

Dienstag, 30.06.2026

Neue FONA-Strategie des Bundesforschungsministeriums: Wichtiges Signal für transdisziplinäre Forschung – soziale Nachhaltigkeit und Beteiligung sollten gestärkt werden

Mit der neuen FONA-Strategie bekräftigt das Bundesforschungsministerium die Bedeutung der Nachhaltigkeitsforschung. Die Gesellschaft für transdisziplinäre und partizipative Forschung (GTPF) sieht in der Verankerung von Transdisziplinarität, Ko-Kreation und Reallaboren in allen drei Hauptmodulen einen wichtigen Anknüpfungspunkt und betont, dass diese als Querschnittsperspektive in Calls, Monitoring und Revision durchgängig wirksam werden sollten. Zugleich empfiehlt die GTPF ein breiteres Verständnis von Innovation und Wirkung, mehr soziale Nachhaltigkeit sowie verbindliche Beteiligung über reine Konsultation hinaus.

Berlin, 30. Juni 2026: Mit der Neuauflage der Strategie „Forschung für Nachhaltigkeit" (FONA) bestätigt das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR), dass Nachhaltigkeit ein zentrales Forschungsfeld bleibt und FONA als Förderrahmen fortgeführt wird. Aus Sicht der Gesellschaft für transdisziplinäre und partizipative Forschung (GTPF) ist das ein wichtiges Signal in einer Zeit, in der Nachhaltigkeitsforschung politisch unter Druck steht. Kritisch sieht die GTPF allerdings die enge Anbindung an die Hightech Agenda Deutschland (HTAD), die das Verständnis von Nachhaltigkeit stark auf technologische Innovation und Wettbewerbsfähigkeit verengt.

Transdisziplinarität als Modus für die großen Herausforderungen

„Transdisziplinäre und partizipative Forschung ist der wissenschaftliche Modus, mit dem komplexe Herausforderungen der Nachhaltigkeitstransformation bearbeitet werden können. Sie lebt vom Zusammenspiel von Wissenschaft, Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft und sie steht und fällt mit methodischer Qualität", sagt Prof. Dr. Matthias Barth, Vorsitzender der GTPF. „Dass die neue FONA-Strategie diesen Modus in allen drei Hauptmodulen sichtbar verankert, ist ein wichtiger Anknüpfungspunkt für die Weiterentwicklung der Forschungsförderung."

Entscheidend werde nun, so die GTPF, dass die Expertise der transdisziplinären und partizipativen Forschungs-Community nicht nur in einzelnen Förderlinien, sondern als Querschnittsperspektive in Calls, Begutachtungskriterien, Monitoring und der angekündigten Strategie-Revision wirksam wird.

Wirkung breit denken: technologisch, sozial, institutionell

Positiv bewertet die GTPF die klare Architektur der neuen Strategie mit drei Hauptmodulen entlang der Innovationskette (FONA-Insight, FONA-Impact und FONA-Ignite) und zwei Querschnittsmodulen (FONA-Talent und FONA-International). Den starken Fokus auf Wertschöpfung, Transfer und Anwendung sieht die Fachgesellschaft differenziert: Er kann Wirkung beschleunigen, darf aber nicht auf technologische und ökonomische Effekte verkürzt werden. „Damit FONA seine Wirkungspotenziale voll entfaltet, braucht es ein erweitertes Verständnis von Wirkung – als gesellschaftlicher Lernprozess, als institutioneller Wandel und als Beitrag zu mehr Gerechtigkeit", sagt Thomas Korbun, Vorstandsmitglied der GTPF. „Nachhaltigkeit wird nicht nur technisch umgesetzt, sondern auch in sozialen und institutionellen Veränderungen wirksam und ist eng mit Gerechtigkeitsfragen verbunden.“

Eine zentrale Leerstelle sieht die GTPF bei der sozialen Dimension von Nachhaltigkeit. Themen wie soziale Teilhabe, Bildung, Pflege, gesellschaftliche Resilienz und Gerechtigkeitsfragen sind in der neuen Strategie kaum systematisch verankert. Hier empfiehlt die GTPF eine deutliche Nachschärfung – insbesondere in den konkreten Förderbekanntmachungen, mit denen die Strategie in den kommenden Monaten unterlegt wird.

Innovation breiter denken – Praxispartner*innen vielfältiger einbinden

Die FONA-Strategie ist in ihrem Innovationsverständnis stark technologie- und marktorientiert. Aus Sicht der GTPF greift dies zu kurz: Technologische und soziale Innovationen gehören zusammen, und Transformation umfasst auch Exnovation, kulturelle Veränderung und institutionelles Lernen. „Wenn FONA Innovationen wirksam machen will, sollten neben Unternehmen auch Zivilgesellschaft, kleinere Kommunen und Bildungsakteure als gleichberechtigte Praxispartner*innen mitgedacht werden", betont Julius Merkens, Leiter der GTPF-Geschäftsstelle. „Sonst bleiben viele Nachhaltigkeitslösungen auf halbem Weg stehen – oder erreichen genau die Räume nicht, in denen sie besonders gebraucht werden."

Besonders mit Blick auf das neue Modul FONA-Ignite warnt die GTPF vor einer Verkürzung von Risiko auf technisch-ökonomisches Investitionsrisiko. Damit aus visionären Gamechangern keine neuen Pfadabhängigkeiten entstehen, brauchen risikoreiche Forschungsvorhaben von Anfang an Technikfolgenabschätzung, Nachhaltigkeitsbewertung und reflexive Begleitforschung.

Beteiligung als Mitgestaltung – nicht als Akzeptanzfunktion

Die GTPF sieht es positiv, dass FONA als „lernende und agile Strategie" konzipiert ist und bereits nach einem Jahr Laufzeit überprüft werden soll. Diese Selbstverpflichtung sei ein konkreter Anknüpfungspunkt für partizipative Weiterentwicklung. „Beteiligung darf nicht auf Konsultation und Kommunikation verkürzt werden", sagt Dr. Miriam Brandt, stellvertretende Vorsitzende der GTPF. „Eine wirksame Forschungsstrategie für Nachhaltigkeit braucht Co-Ownership: geteilte Verantwortung von Wissenschaft, Wirtschaft, Kommunen und Zivilgesellschaft bei der Definition von Problemen, Zielen und Lösungswegen."

Auch das Verständnis von Reallaboren sollte aus Sicht der GTPF nicht auf ein reines Förder- und Umsetzungsformat verengt werden. Reallabore sind ein etabliertes wissenschaftliches Format der transdisziplinären Nachhaltigkeitsforschung, das konstitutiv auf wissenschaftliche Begleitung, ko-produzierte Erkenntnisziele und einen normativen Rahmen angewiesen ist.

Erweitertes Monitoring

Für die Wirkungsmessung empfiehlt die GTPF ein erweitertes, mehrdimensionales Monitoring. Neben quantitativen Indikatoren wie Innovationssignalen, Publikationen oder Policy-Zitaten sollten gesellschaftliche Wirkungsdimensionen, Beteiligungsqualität sowie Verteilungs- und Gerechtigkeitsfolgen systematisch erfasst werden. Dazu gehört auch ein offener Umgang mit negativen Befunden als Voraussetzung für eine wirklich lernende Strategie.

Angebot zur Mitgestaltung

Die GTPF bündelt die Expertise ihrer Mitglieder aus Wissenschaft, Lehre und Praxis. Über die Fachgesellschaft können ihre Mitglieder ihre Kompetenzen gezielt in die weitere Ausgestaltung und Revision der FONA-Strategie einbringen, insbesondere bei der Qualitätssicherung transdisziplinärer und partizipativer Förderformate, bei der Konzeption von Reallabor-Förderlinien, bei der Weiterentwicklung des Wirkungsmonitorings und bei der Verankerung sozialer Nachhaltigkeit in Calls und Begutachtungsverfahren.

„Die FONA-Strategie ist ein wichtiger Rahmen für die nächsten Jahre. Ihre eigentliche Bewährungsprobe liegt in der Umsetzung. Genau dort wollen die Mitglieder der GTPF mit ihrer Expertise konstruktiv mitwirken", so Barth abschließend.

Die Gesellschaft für transdisziplinäre und partizipative Forschung (GTPF) ist die wissenschaftliche Fachgesellschaft für transdisziplinäre und partizipative Forschungsansätze im deutschsprachigen Raum. Sie vernetzt Wissenschaftler*innen, Forschungseinrichtungen und Praxisakteure, die an der Schnittstelle von Wissenschaft, Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft arbeiten. Die GTPF setzt sich für eine wissenschaftlich fundierte, qualitätsgesicherte und gesellschaftlich wirksame transdisziplinäre Forschung zu Nachhaltigkeit, Transformation und gesellschaftlichem Wandel ein.

Kontakt: Julius Merkens (Leitung der Geschäftsstelle)

Telefon: +49 30 31477502
E-Mail: julius.merkens@gtpf.science
Web: https://gtpf.science/

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