Berlin, 1. Juli 2026 - Als zentrale innovationspolitische Strategie der Bundesregierung wird die HTAD die Ausrichtung von Forschung und technologischer Entwicklung maßgeblich prägen. In ihrer Stellungnahme zeigt die GTPF auf, wie transdisziplinäre und partizipative Forschung dazu beitragen kann, die Agenda wirksamer zu gestalten, und formuliert konkrete Vorschläge für ihre Weiterentwicklung.

Die Hightech Agenda Deutschland versteht sich als „Mitmachagenda“. Diesen Anspruch teilen wir als Gesellschaft für transdisziplinäre und partizipative Forschung (GTPF) – und nehmen ihn beim Wort. Denn transdisziplinäre und partizipative (td/p) Forschung ist ein zentraler Hebel dafür, dass technologische Innovationen gesellschaftliche Anschlussfähigkeit, Vertrauen und Wirksamkeit entfalten.
Die HTAD setzt dabei an wichtigen Punkten an: Sie stärkt die Outcome-Perspektive, betont zentrale Hebel der Umsetzung und rückt Transfer sowie Anwendung in den Fokus. Auch die klare Orientierung an Wettbewerbsfähigkeit, Souveränität und Nachhaltigkeit eröffnet wichtige Anknüpfungspunkte.
Gleichzeitig bleibt ihr Innovationsverständnis zu eng. Die Agenda folgt weitgehend einem linearen, technologiezentrierten Modell, in dem gesellschaftliche Perspektiven nachgelagert erscheinen. Innovation wird vor allem aus Sicht von Forschung und Industrie gedacht, während Beiträge von Zivilgesellschaft, öffentlichem Sektor und weiteren Praxisakteuren unterbelichtet bleiben. Fragen nach Nutzen, Verteilung und möglichen Ausschlüssen sowie soziale, ökologische und räumliche Nebenfolgen geraten so zu wenig in den Blick.
Auch Beteiligung bleibt dadurch oft begrenzt: Wo sie erst spät ansetzt, wird sie leicht zur Akzeptanzbeschaffung. Zugleich können frühe Festlegungen auf technologische Pfade Alternativen ausblenden und bestehende Spannungen – etwa zwischen High-Tech-Fokus und sozialen Innovationen – verschärfen.
Wir sehen daher eine zentrale Weiterentwicklungsaufgabe darin, gesellschaftliche Perspektiven strukturell zu verankern. Transdisziplinäre und partizipative Forschung kann technologische Entwicklung mit gesellschaftlichen Bedarfen verbinden und Innovationen von Beginn an wirksamer machen.
Dazu gehört, soziale Innovationen, Nachhaltigkeit sowie sozial-, geistes- und raumwissenschaftliche Expertise als Querschnitt zu stärken, gesellschaftliche Akteure früh und verbindlich einzubinden und Wirkungen einschließlich Nebenfolgen systematisch mitzudenken. Ebenso wichtig ist eine reflexive Steuerung, die unterschiedliche technologische Optionen offenhält.
Die GTPF versteht sich mit ihren Mitgliedern und der damit verbundenen breiten Expertise als Partnerin für die Weiterentwicklung der HTAD und bringt sich gerne in die Ausgestaltung von Roadmaps, Förderdesign und Monitoring ein – mit dem Ziel, die Agenda als echte Mitmachagenda zu stärken und ihre gesellschaftliche Wirkung zu erhöhen.